SendGrid Zustellprobleme: Ursachen, Diagnose und konkrete Lösungen

SendGrid ist technisch stark. Trotzdem landen E-Mails manchmal im Spam, werden gedrosselt oder kommen gar nicht erst an. Das liegt meist nicht am Tool selbst, sondern an Reputation, Datenqualität, Versandverhalten oder einem unsauberen Setup.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du SendGrid-Zustellprobleme systematisch einordnest: Welche Kennzahlen wirklich helfen, welche Ursachen besonders häufig sind und wann eine dedizierte IP, bessere Segmentierung oder saubere Listenhygiene die sinnvollere Lösung ist.

sendgrid

Wenn du nur 15 Minuten hast: prüfe das jetzt

  • 1️⃣ Betrifft das Problem alle Mailbox Provider oder vor allem Gmail bzw. Microsoft?
  • 2️⃣ Siehst du mehr Blocks, Bounces oder nur schlechtere Inbox Placement?
  • 3️⃣ Gab es zuletzt Sprünge bei Volumen oder Frequenz?
  • 4️⃣ Sind viele Empfänger seit Monaten inaktiv?
  • 5️⃣ Wurden Domain, IP, Link Branding oder Authentifizierung geändert?

Email APIs wie SendGrid bieten sich vor allem zum Versand von Transaktionsmails an. Wobei dieses Produkt aufgrund einer mächtigen Infrastruktur und hoher Versandgeschwindigkeit besonders beliebt ist. Aufgrund der Wachstumspolitik des Anbieters wurde bei der Auswahl der Kunden nicht so genau hingeschaut. Mit dem Ergebnis, dass viele Spammer SendGrid einsetzen. Das führte bei  seriösen Versendern hin und wieder zu massiven Zustellproblemen. 

Mittlerweile hat der Anbieter Twilio klar definierte Email Guidelines erlassen und prüft viel genauer als bislang, wer für die Nutzung der Plattform registriert. Auch werden auffällige Accounts schon mal gesperrt.  

Dennoch sind Zustellprobleme bei SendGrid immer noch ein Problem. 

Wie machen sich Zustellprobleme in SendGrid bemerkbar?

Wie allgemein im E-Mail-Marketing lassen sich Zustellprobleme nicht so leicht erkennen. Wobei SendGrid zu den Tools gehört, die immerhin einige nützliche Kennzahlen und Features bereitstellen. 

Der SendGrid Reputation Score

Am bekanntesten und sichtbarsten ist der SendGrid Reputation Score, der die Zustellbarkeit auf einer Skala von 0 bis 100 beschreibt. 

SendGrid Reputation Score

Dieser Score hat wenig mit deiner Sender Reputation zu tun. Überhaupt ist dessen Aussagekraft sehr begrenzt, weil SendGrid nur Informationen betrachten kann, auf die das Tool direkt zugreifen kann: Versandvolumen innerhalb des Accounts inkl. Bounces, Spam Complaints, Clicks, Opens. 

Also sind Zustellprobleme auch bei einem Score von 99% durchaus möglich.

Kurzum: Der SendGrid Reputation Score ist ein internes Frühwarnsignal. Er ersetzt weder Inbox-Monitoring noch Domain-Reputation. Ein hoher Score schließt Zustellprobleme nicht aus – vor allem nicht bei Gmail oder Microsoft.

SendGrid Spam Tests

Gegen Aufpreis ermöglicht SendGrid echte Seed Tests. Aus denen kannst du herauslesen, welche Mailbox Provider und Spamfilter deine E-Mail akzeptieren oder nicht.

Sendgrid Spam Test
Sendgrid Spam Test

Solche Seed Tests liefern zwar nur eine Momentaufnahme. Aber alle Ergebnisse werden chronologisch in den „Deliverability Insights“ chronologisch dargestellt. Hier fließen auch die Daten aus dem Reputation Score ein.  

sendGrid Deliverability Insights

Diese Indikatoren sind ein Alarmzeichen:

  • Unique Open Rates von weniger als ~35%
  • Eine Complaint Rate von regelmäßig mehr als 0,1 %.
  • Hohe Sprünge in den Bounce Rates

Typische Ursachen für Zustellprobleme mit SendGrid

Mangelhafte IP Reputation

Standardmäßig teilen sich SendGrid-Kunden*innen eine Shared IP. Das ist zunächst mal unproblematisch und auch gängige Praxis. Manchmal sogar die beste Option. Jedoch lockte SendGrid in der Vergangenheit immer auch viele Spammer an. Die Gefahr ist also groß, dass man seine Shared IP mit den „falschen“ Kunden teilen muss. Jene, die sich wenig um ihre Email Domain Reputation scheren und als Trittbrettfahrer von der guten Domain Reputation anderer Nutzer der IP profitieren wollen. 

Hinzu kommt, dass SendGrid eine API zur Adressvalidierung bereitstellt. So etwas nutzen naturgemäß eher unseriöse Versender.

Weitere mögliche Ursachen für Zustellprobleme

Mangelhafte Datenhygiene als Ursache

Oft sind inaktive Kontakte ein Problem. Also Abonnenten, die bereits seit Monaten nicht mehr mit deinen E-Mails interagieren. Das wirkt sich negativ auf deine Email Domain Reputation aus. Warum? Weil Mailbox Provider dann davon ausgehen, dass deine E-Mails unerwünscht sind. Sie erwarten deshalb, dass du deine Listen regelmäßig aufräumst.

Zur Identifikation inaktiver Kontakte nutze am besten die SendGrid Engagement Quality API

Lösche Kontakte, die seit mehr als 6 bis 8 Monaten nicht mehr aktiv waren. Und versuche Kontakte mit nur noch wenig Engagement zu reaktivieren. Mittels Sunset Flow kannst du diesen Prozess auch automatisieren.

Dedizierte IP als Lösung aller Probleme?

Viele SendGrid-Konten senden zunächst über Shared IPs. Das ist nicht automatisch schlecht. Gerade bei kleineren oder unregelmäßigen Versandmengen kann eine Shared IP sogar sinnvoller sein als eine dedizierte IP, die kaum Volumen sieht. Problematisch wird es dann, wenn eigene Datenqualität, Engagement oder Versandverhalten schwach sind oder wenn du mehr Kontrolle über die eigene Reputation brauchst.

Spätestens bei größeren Programmen lohnt sich deshalb ein sauberer Aufbau mit getrennten Mailstreams, eigenen Subusern und – je nach Volumen – dedizierten IPs.

Achtung: Die Nutzung von Reverse DNS (rDNS) ist dringend zu empfehlen, aber in SendGrid leider nicht kostenlos.

Checkliste

Dedizierte IP bei SendGrid sinnvoll, wenn:

  • stabiles Volumen (≥ 100k/Monat)
  • Warmup aktiv gemanagt
  • saubere Listen
  • Monitoring vorhanden

Nicht sinnvoll, wenn:

  • Probleme eigentlich aus Engagement/Daten kommen
  • unregelmäßiger Versand
  • Hoffnung auf „Reset“

Bonus-Tipps für eine bessere E-Mail-Zustellbarkeit mit SendGrid

  1. Richte unbedingt eine saubere Domain-Authentifizierung ein. Hier findest du eine Anleitung.
  2. Setze auf Double-Opt-in und einer Welcome Mail mit einem CTA. Das sorgt sofort für Email Engagement und Brand Awareness.
  3. Komme nicht auf die Idee, Hard-Bounces zu reaktivieren. Inaktive Kontakte gehören regelmäßig gelöscht. 
  4. Akzeptiere, dass deine Shared IPs hin und wieder schwächeln und kümmere dich um eine  optimale Email Domain Reputation. Versende dazu E-Mails mit möglichst relevanten Inhalten und Angeboten. 
Frank Rix
Frank Rix (Autor)

Fazit

Dedizierte IP, Reputation Score und Seed Tests sind bei SendGrid nützlich, aber keine Abkürzung zur Inbox. Wenn Domain-Reputation und Datenhygiene nicht stimmen, helfen auch die besten Tools nicht weiter. Geh systematisch vor, räum Inaktive konsequent raus und nutze SendGrid-Metriken als Orientierung – nicht als Entscheidung allein.

Kostenlose Beratung

Wenn du mit SendGrid kämpfst, brauchst du keine Schönwetter-KPI, sondern eine saubere Diagnose. Ich helfe dir dabei, Reputation, Setup und Listenqualität so einzuordnen, dass aus vagen Zustellproblemen konkrete Maßnahmen werden..