Mailjet Deliverability: Ursachen & Sofortmaßnahmen bei Zustellproblemen
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Frank
- Aktualisiert am 15. Januar 2026
Mailjet ist schnell, flexibel und für viele Teams der günstige Motor für Marketing- und Transaktionsmails. Blöd nur, wenn der Motor läuft, aber die Post irgendwo auf der Nordsee treibt statt in der Inbox zu landen.
In diesem Guide bekommst du eine klare Schritt-für-Schritt-Checkliste: erst Diagnose in Mailjet, dann Sofortmaßnahmen, danach die echten Ursachen (Auth, Reputation, Liste, Content) und schließlich Monitoring, damit das nicht jeden zweiten Dienstag wieder passiert.

Wenn Mailjet-Mails nicht ankommen, liegt es meist an
- ❌ fehlender Authentifizierung (SPF/DKIM/DMARC),
- ❌ schlechter Listenhygiene oder
- ❌ Reputation (Domain/IP).
Starte mit der Diagnose in Mailjet (Bounces, Beschwerden, Provider-Vergleich), stoppe riskantes Senden und stabilisiere dann Auth + Engagement.
Sofort-Check in 30 Minuten (wenn es gerade brennt)
Ziel: Schaden begrenzen, Ursache eingrenzen, Reputation stabilisieren.
- Stoppe riskantes Senden
- Pausiere Kampagnen an „kalte“ Segmente (lange inaktiv, unklare Herkunft).
- Sende vorübergehend nur an zuletzt aktive Empfänger (z. B. 30/60/90 Tage aktiv).
- Checke Beschwerden und Bounces
- Steigt die Complaint Rate? Dann ist das ein Reputations-K.O.-Kriterium.
- Viele Hard Bounces? Dann stimmt Liste/Opt-in nicht oder die Adressen sind alt.
- Vergleiche Provider
- In Mailjet die Auswertung nach Mailbox-Provider anschauen: Wenn Gmail ok ist, Outlook aber abstürzt (oder andersrum), ist das ein starkes Signal für Reputation/Policy-Themen.
- Auth-Dreiklang prüfen
- SPF + DKIM sauber? Mailjet hat dafür eine ausführliche Anleitung.
- DMARC vorhanden? Für Bulk-Sender ist DMARC Pflicht (Gmail).
- Unsubscribe “sauber”
- Yahoo fordert u. a. funktionierende List-Unsubscribe inkl. One-Click für Marketing-Mails.
- Wenn das fehlt, bekommst du schneller Junk-Routing als du „Moin“ sagen kannst.
Wie zeigen sich Zustellprobleme in Mailjet?
In Mailjet sieht vieles erstmal „grün“ aus, weil „delivered“ oft nur heißt: Server hat angenommen. Ob Inbox oder Spam, ist damit nicht garantiert.
Achte auf diese Warnsignale:
- Plötzlicher Einbruch bei Opens/Klicks (bei gleicher Zielgruppe und Versandlogik)
- Starke Unterschiede je Provider (z. B. Gmail stabil, Outlook mies)
- Anstieg bei Bounces/Blocks/Spam Complaints
- DOI-Bestätigungen sinken (wenn Double-Opt-in plötzlich deutlich schlechter konvertiert)
Wichtig: Bot- und Scanner-Klicks verzerren Metriken
Mailjet hat Bot Activity Detection / Bot-Filtering in Advanced Campaign Statistics eingeführt. Damit kannst du besser unterscheiden, ob echte Menschen klicken oder nur Security-Gateways.
Diagnose in Mailjet: Wo genau hinschauen?
Nutze drei Ebenen:
1) Kampagnen-Stats (Makro)
- Zeiträume vergleichen (vorher/nachher)
- Provider-Ansicht (Gmail/Outlook/Yahoo/GMX/Web.de etc.)
- Bounce-Typen unterscheiden: Hard vs Soft vs Block

Für einen groben Check öffnen die Statistiken. Vorteilhaft an Mailjet ist, dass du auch einen längeren Zeitraum betrachten kannst. Und zwar sowohl Kampagnen-, Workflow- als auch Transaktionsmails. Es lassen sich sogar Kampagnen direkt miteinander vergleichen.
- Ignoriere zunächst die Angabe „zugestellt“ im Dashboard (siehe Screenshot unten links). Die rede ist hier bloß von der Deliery Rate.
- Öffne für einzelne Kampagnen-Statistiken den Tab „E-Mail-Abieter“. Achte darauf, ob Open Rate und Click Rate ISPs ähnlich groß sind. Starke Abweichungen weisen auf Zustellprobleme hin.
- Achte darauf, wie viele DOI-Prozesse nicht nur angestoßen, sondern auch bestätigt wurden. Ist der Anteil unter 80%, könnte dafür ein Zustellproblem verantwortlich sein.
- Die Open Rate sollte generell mindestens 35 bis 40% beantragen. Ist sie geringer, kann das auch auf eine schlechte Datenqualität hindeuten. Was widerum Zustellprobleme auslösen kann.

2) Event-/Bounce-Details (Mikro)
- Welche Fehlercodes häufen sich?
- Sind es „Mailbox full“ (soft) oder „policy/reputation“ (block)?
- Tritt es nur bei bestimmten Domains auf?
3) Advanced Stats mit Bot-Filter (Wahrheit statt Seemannsgarn)
Wenn du Premium+/Advanced Stats nutzt, nimm die bereinigten Engagementzahlen als Grundlage für Segmentierung und Reaktivierung.
Wie sonst lassen sich Probleme erkennen?
Diese Indikatoren sind ein Alarmzeichen:
- Rückmeldungen von Kunden*innen
- Eine Complaint Rate von regelmäßig mehr als 0,1 %.
- Ein hoher Outlook BCL (Massenbeschwerdegrad (BCL) größer als 6
Zugute kommt Mailjet, dass die Statistiken recht detailliert sind. Sogar weitere Zustellversuche werden angezeigt, was bei so günstigen Versandtools unüblich ist.
Typische Ursachen bei Mailjet (und wie du sie fixst)
Ursache 1: Auth fehlt oder ist schief (SPF/DKIM/DMARC)
Wenn Gmail & Co. dich nicht eindeutig identifizieren können, wirst du eher als Risiko behandelt. Google verlangt für Bulk-Sender SPF, DKIM und DMARC.
Fix-Checkliste
- SPF korrekt gesetzt (und nicht „zu lang/zu viele Lookups“)
- DKIM aktiv und signiert wirklich (nicht nur „irgendwo eingetragen“)
- DMARC vorhanden (policy kann am Anfang „none“ sein, Hauptsache valide)
Mailjet hat dafür eine solide Schritt-für-Schritt-Doku.
Ursache 2: Unsubscribe / Compliance nicht “State of the Union”
Yahoo fordert für Bulk-Sender u. a. List-Unsubscribe inklusive One-Click.
Und Microsoft hat seit 5. Mai 2025 neue Anforderungen für High-Volume Sender angekündigt bzw. durchgesetzt, mit Junk-Routing bei Nicht-Compliance.
Fix-Checkliste
- List-Unsubscribe Header + One-Click Signaling (RFC 8058)
IETF Datatracker - Abmeldungen wirklich schnell verarbeiten (nicht „irgendwann nächste Woche“)
- Footer-Link sichtbar und nicht versteckt wie ein Schatz auf ’ner alten Seekarte
Ursache 3: Listenqualität und Engagement (der Klassiker)
Mailbox Provider belohnen Relevanz. Viele inaktive Empfänger = schlechte Signale.
Fix-Checkliste
- Segment „zuletzt aktiv“ aufbauen (z. B. 30/60/90/180 Tage)
- Sunset Flow/Reaktivierung fahren, danach konsequent bereinigen
- Keine Hard Bounces reaktivieren. Niemals. Wirklich niemals.
Ursache 4: Shared IP Probleme oder „Nachbarschaft“ ist schwierig
Standardmäßig teilen sich Mailjet-Kunden*innen eine Shared IP. Das ist zunächst mal unproblematisch und auch gängige Praxis. Manchmal sogar die beste Option. Jedoch ist Maijet ein relativ kostengünstiges Tool, welches kleinere Kunden anspricht. Entsprechend können die Mailjet Sender Guidelines kaum durchgesetzt werden. Weshalb der Anbieter auch hin und wieder von der CSA verwarnt wird.
Die Gefahr ist also groß, dass man seine Shared IP mit den „falschen“ Kunden teilen muss. Jene, die sich wenig um ihre Email Domain Reputation scheren und als Trittbrettfahrer von der guten Reputation anderer Versender profitieren wollen.
Hinzu kommt, dass Mailjet ein Feature zur Adressvalidierung bereitstellt. So etwas nutzen naturgemäß eher unseriöse Versender.
Fix-Checkliste
- Wenn du Shared IP nutzt: Volumen stabil halten, keine Peaks, keine riskanten Imports
- Prüfe, ob eine dedizierte IP wirklich Sinn ergibt (siehe nächster Abschnitt)
Bonus-Tipp: Inaktive Kontakte ermitteln
Oft sind inaktive Kontakte ein Problem. Also Abonnenten, die bereits seit Monaten nicht mehr mit deinen E-Mails interagieren. Das wirkt sich negativ auf deine Email Domain Reputation aus. Warum? Weil Mail Box Provider dann davon ausgehen, dass deine E-Mails unerwünscht sind. Sie erwarten deshalb, dass du deine Listen regelmäßig aufräumst.
Nutze in Mailjet deshalb regelmäßig das Segmentierungs-Feature, um inaktive Kontakte zu ermitteln.

Achtung: Bot Clicks und Opens können die Filterung verfälschen. Mailjet bietet für präzisere Daten den Bot Activity Detector.
Jetzt hast du deine aktiven Kontakte ermittelt. Umgekehrt weißt du also, wie viele deine Kontakte inaktiv sind. Und wie sich deren Anteil von Monat zu Monat verändert. Tipp: Ein Anteil inaktiver Kontakte von mehr 40 % nach 6 Monaten ist kritisch. Vor allem, wenn der Anteil, steil ansteigt.
Die Lösung? Lösche Kontakte, die seit mehr als 8 Monaten nicht mehr aktiv waren. Und versuche Kontakte mit nur noch wenig Engagement zu reaktivieren. Dazu eignet sich ein Sunset Flow:
Dedizierte IP: Lösung oder Eigentor?
Eine dedizierte IP ist kein Upgrade wie „Felgen in Chrom“, sondern eher wie ein eigenes Boot: Du musst es auch warten.
Faustregeln
- Dedizierte IP lohnt meist erst bei konstantem Volumen (und genug Engagement, um Reputation aufzubauen). Empfohlen werden gemeinhin mindestens 100.000 E-Mails je Monat.
- Neue IP muss „warm“ gefahren werden: langsam starten, nur engagierte Empfänger, stufenweise erhöhen.
- Wenn deine Liste dreckig ist, macht dediziert alles schlimmer, weil dich niemand mehr „mitzieht“.
Mailjet erklärt die Deliverability-Grundlagen und Best Practices dazu ebenfalls in ihren Guides.
FAQ: Zustellprobleme mit Mailjet
Warum zeigt Mailjet „Delivered“, aber meine Empfänger bekommen nichts?
„Delivered“ bedeutet meist nur, dass der empfangende Mailserver die Nachricht angenommen hat. Ob sie in der Inbox, im Spam oder im Tab „Werbung“ landet, hängt vor allem von Authentifizierung (SPF/DKIM/DMARC), Reputation (Domain/IP) und Engagement (Interaktionen der Empfänger) ab.
Welche Mailjet-Kennzahlen sind bei Zustellproblemen am wichtigsten?
Schau zuerst auf Beschwerden (Spam Complaints), Hard Bounces und Block-/Reject-Meldungen. Danach vergleiche die Performance nach Mailbox-Providern (z. B. Gmail vs. Outlook). Wenn du Bot-Filtering nutzt, bewerte Engagement bevorzugt mit bereinigten Daten.
Welche Authentifizierung brauche ich mindestens (SPF, DKIM, DMARC)?
Minimum ist eine saubere Domain-Authentifizierung mit SPF und/oder DKIM. Für größere Versandmengen verlangen große Provider zusätzlich DMARC. Wichtig: Nicht nur „Eintrag vorhanden“, sondern wirklich korrekt konfiguriert und aktiv signierend.
Muss ich One-Click Unsubscribe (List-Unsubscribe) umsetzen?
Für Marketing-Mails an große Provider ist ein sauberer Abmeldeprozess sehr wichtig. Idealerweise hast du List-Unsubscribe Header (inkl. One-Click) plus einen gut sichtbaren Abmeldelink im Footer. Abmeldungen sollten schnell verarbeitet werden, damit Beschwerden nicht steigen.
Meine Open Rates sind plötzlich komisch hoch oder niedrig. Woran liegt das?
Security-Gateways und Bots öffnen und klicken teilweise automatisiert. Das kann Opens und Klicks verzerren und Segmentierung ungenau machen. Nutze, falls verfügbar, Bot-Filter/Bot-Detection und verlasse dich stärker auf robuste Signale wie echte Klickpfade und Conversion-Daten.
Was ist der häufigste Grund für Spam bei Mailjet?
In der Praxis sind es meist: (1) fehlende/fehlerhafte Authentifizierung, (2) zu viele inaktive Empfänger (schwaches Engagement), (3) zu hohe Beschwerderate oder (4) riskante Listenquellen. Fang immer mit Auth und Listenhygiene an, bevor du am Content schraubst.
Hilft eine dedizierte IP bei Mailjet automatisch?
Nicht automatisch. Eine dedizierte IP kann helfen, wenn du konstant genug Volumen hast und sauber warm-upst. Wenn deine Liste aber viele inaktive Kontakte enthält oder Beschwerden hoch sind, kann eine dedizierte IP die Zustellbarkeit sogar verschlechtern.
Wie gehe ich vor, wenn Outlook zustellt, Gmail aber nicht (oder umgekehrt)?
Das ist ein Hinweis auf provider-spezifische Reputation oder Policy-Themen. Vergleiche in Mailjet die Provider-Stats, prüfe Authentifizierung und Unsubscribe, und sende testweise nur an die zuletzt aktiven Empfänger des betroffenen Providers, bis sich die Signale stabilisieren.

Fazit
Wenn Mailjet-Mails im Spam landen oder verschwinden, liegt es selten am Tool, sondern fast immer an Auth, Reputation und Listenqualität. Geh strukturiert vor: erst Diagnose nach Providern, Bounces und Beschwerden, dann SPF/DKIM/DMARC sauberziehen, inaktive Kontakte konsequent abbauen und Engagement stabilisieren. So kommt deine Post wieder in die Inbox statt in die Tiefsee.
Kostenlose Beratung
Mit Email Deliverability verhält es sich wie mit dem Zahnarztbesuch: Hinauszögern kann sehr schmerzhaft sein. Lass uns sprechen, um präventiv geeignete Maßnahmen zu ergreifen.