E-Mail-Zustellbarkeit im B2B-Marketing: Welche Besonderheiten gibt es?

Faxgeräte verstauben im Keller, aber dein B2B-Newsletter sollte nicht im Spam stranden. Ein kleiner Knick bei Reputation, Authentifizierung oder Datenqualität reicht oft schon. Besonders fies: Du merkst es erst, wenn Leads schweigen oder der Vertrieb nachfragt. Hier bekommst du Ursachen, einen 15-Minuten-Check und Lösungen zu Listenhygiene, DMARC, Microsoft 365 und Security-Gateways, damit deine Mails wieder zuverlässig in der Inbox ankommen.

Woran du erkennst, dass dein B2B-Newsletter im Spam landet

Typische Warnsignale in deinen KPIs (Klicks, Replies, Conversions)

Wenn Opens und Klicks plötzlich einbrechen, ist das im B2B oft kein “Content-Problem”, sondern ein Zustellthema. Besonders verdächtig: Conversions sinken, während du eigentlich gleich viel sendest. Noch deutlicher wird’s, wenn Replies ausbleiben oder der Vertrieb sagt: “Irgendwie ist es still.”

Was Bounces wirklich bedeuten (5.1.1 vs. 5.7.1 & Co.)

Hohe Bounces sind ein Alarmsignal, aber die Ursache steckt im Detail. 5.1.1 steht häufig für “Mailbox gibt’s nicht”, typisch bei Jobwechseln. 5.7.1 deutet eher auf Policy, Reputation oder Filterregeln hin. Wenn 5.7.x steigt, solltest du sofort auf Ursachen-Suche gehen.

Warum Beschwerden im B2B selten sind, aber trotzdem alles ruinieren

Im B2B klicken Empfänger seltener auf “Spam melden”, sie löschen einfach oder die IT filtert vorher weg. Das ist tückisch, weil du kaum direktes Feedback bekommst. Trotzdem können wenige negative Signale reichen, um Reputation und Zustellung spürbar zu verschlechtern.

Email-Sender-Reputation

Warum B2B-Zustellbarkeit besonders tückisch ist

Spam nervt. Das weiß jeder Marketing-Manager*in – und die IT-Abteilungen tun alles, um ihr Unternehmen davor zu schützen. Genau so kritisch sehen aber auch deine Kund*innen eingehende Mails. Spamfilter, Firewalls und Compliance-Regeln machen es dir schwer, deine Botschaft sicher in die Inbox zu bringen.

Dazu kommt: Im B2B herrschen ganz andere Spielregeln als im B2C. Kaufprozesse sind komplexer, mehr Personen sind involviert, und die IT-Landschaft auf Empfängerseite ist extrem heterogen.

Security-Gateways und Firmen-IT als zusätzliche “Türsteher”

Im B2C urteilen vor allem Mailbox Provider. Im B2B steht oft noch ein Security-Gateway dazwischen, das Links scannt, Anhänge prüft und Regeln knallhart ausführt. Ergebnis: Deine Mail kann “technisch zugestellt” sein, aber in Quarantäne oder im Nirwana landen.

Daten verfallen schneller (Jobwechsel, Catch-alls, Role Accounts)

B2B-Adressbestände altern wie Fischbrötchen in der Sonne: schneller als man gucken kann. Leute wechseln Jobs, Adressen werden abgeschaltet oder zu Catch-all umgebaut. Dazu kommen Role Accounts wie info@ oder sales@, die bei Filtern häufig strenger behandelt werden.

Email Delivery vs Email Deliverability

Bot-Klicks und Link-Scanning verfälschen dein Engagement

Viele Unternehmen scannen Links automatisch. Das erzeugt Klicks, die nicht menschlich sind, und kann Tracking-Interpretationen verzerren. Gleichzeitig kann es passieren, dass “echte” Interaktion sinkt, ohne dass du den Grund sofort siehst.

Weitere Besonderheiten im B2B-Marketing

Heterogene Infrastruktur und strenge Compliance-Regeln

B2B-Marketingabteilungen stehen vor Herausforderungen wie hoher Komplexität, Compliance-Anforderungen und heterogenen Zielgruppen. Entscheidungsprozesse sind langwierig, da mehrere Stakeholder involviert sind. Die Integration verschiedener Tools ist oft schwierig, da viele Unternehmen gewachsene IT-Strukturen haben. Hinzu kommt, dass vielen B2B-Tech-Unternehmen wird das Marketing immer noch eher als Unterstützung für den Vertrieb denn als treibende Kraft für Wachstum gesehen werden.

Ebenen der Spamfilterung

Customer Journey und Versandvolumen

Das E-Mail-Marketing funktioniert im B2B-Umfeld oft anders, weil

  • der typische Kaufzyklus (also die Customer Journey) länger ist und mehr Kundenkontaktpunkte umfasst,
  • die Kauffrequenz geringer ist,
  • die Lebenszeit von E-Mail-Adressen geringer ist,
  • mehr Personen in einem Kaufprozess involviert sind („Buying Center“) und
  • das Versandvolumen geringer ist.

Die häufigsten Ursachen, wenn B2B-Mails im Spam landen

Authentifizierung wackelt (SPF, DKIM, DMARC, Alignment)

Vor allem im B2B spielen DNS-based Blackhole List (kurz: DNSBL) eine wichtige Rolle. So werden in Echtzeit abfragbare Listen bezeichnet, die zur Bekämpfung von Spam eingesetzt werden. Die verschiedenen Listen unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich ihrer Ziele (welche Art von IP-Adressen – individuell, ISPs, Proxies etc. – gelistet wird), ihrer Quelle(n) (von wo die gelisteten IPs stammen) und ihrer Lebensdauer (für welchen Zeitraum IPs gelistet werden). Das Problem: Es trifft oft die Falschen. Während „richtige“ Spammer ihre IPs rotieren oder auf IPv6 ausweichen. Deshhalb wird sich die Bedeutung von DNSBLs ändern. 

Sender-Reputation im Eimer (Domain vs. IP, Warm-up, Volumen-Sprünge)

Reputation baut sich langsam auf und fällt schnell runter. Plötzliche Volumen-Sprünge, unregelmäßiger Versand oder zu viele unengagierte Empfänger ziehen dich runter. Auch wichtig: Domain-Reputation ist oft der größere Hebel als IP, gerade wenn du über Shared IPs sendest.

Schlechte Listenhygiene (alte Leads, gekaufte Listen, fehlendes Opt-in)

Wenn du viele veraltete oder nie wirklich bestätigte Kontakte anschreibst, sammelst du Bounces und schlechte Signale. Das rächt sich im B2B besonders, weil Daten schneller veralten. Listenhygiene ist kein Nice-to-have, das ist dein Fundament.

Content- und Layout-Fallen (zu viele Links, Tracking, Anhänge, Trigger-Wörter)

Zu viele Links, Link-Shortener, aggressive Sales-Sprache oder “komische” Tracking-Konstrukte können Filter nervös machen. Anhänge sind im B2B ebenfalls heikel, besonders wenn du an neue Empfänger sendest. Keep it simple: klare Struktur, sauberer Text, wenig Ballast.

Technische Stolpersteine (Header, From/Reply-To, Link-Domains, Redirect-Ketten)

Absendername und Reply-To müssen Sinn ergeben und konsistent sein. Verlinkst du auf viele verschiedene Domains oder über Redirect-Ketten, steigt das Risiko. Auch kleine Dinge wie kaputte List-Unsubscribe-Logik oder wechselnde From-Domains können Vertrauen kosten.

15-Minuten-Check: So grenzt du die Ursache schnell ein

Du bist im B2B-Umfeld für den Versand von E-Mails verantwortlich und möchtest Zustellprobleme lösen? Diese Checkliste hilft dir weiter.

Schritt 1: Authentifizierung prüfen (kurzer Prüfpfad)

Prüfe SPF, DKIM, DMARC und vor allem Alignment. Wenn hier etwas nicht sauber ist, lohnt sich keine weitere Ursachen-Diskussion, dann erst fixen. Notiere dir: Welche Domain steht im From, welche in DKIM, welche in Return-Path?

DMARC Funktionsweise für E-Mail-Authentifizierung

Schritt 2: Reputation-Signale checken (Postmaster/SNDS/Blocklists)

Schau, ob es Hinweise auf Reputation-Probleme gibt, z.B. bei Microsoft (SNDS) oder Google Postmaster, falls relevant. Parallel: schnelle Blocklist-Checks, aber ohne Panik, nicht jede Listung ist gleich kritisch. Wichtig ist das Muster: neu, häufig, wiederkehrend?

Schritt 3: Bounce-Muster analysieren (welche Domains, welche Codes)

Filtere Bounces nach Empfängerdomain und Code. Wenn sich Probleme bei bestimmten Firmen oder Gateways ballen, ist das ein starkes Signal. Bei 5.7.x gehst du eher in Richtung Reputation/Policy/Filter, bei 5.1.1 eher Datenqualität.

Schritt 4: Segment-Test senden (kleines, engagiertes Segment)

Sende eine Testkampagne nur an Kontakte mit hoher Interaktion der letzten Wochen. Wenn das gut ankommt, ist dein Problem wahrscheinlich Listenqualität oder Segmentierung. Wenn selbst das Segment “absäuft”, ist Auth/Reputation/Content wahrscheinlicher.

Schritt 5: IT-/Gateway-Hinweise einsammeln (Header, Logs, Feedback)

Wenn möglich, lass dir von einem Empfänger die Header schicken oder die IT nach Quarantäne-Regeln schauen. Das ist oft der schnellste Weg zur Wahrheit. Ein einzelner Screenshot aus dem Gateway kann dir mehr sagen als 20 Stunden Rätselraten.

Lösungen, die im B2B wirklich wirken

Listenhygiene ohne Angst: Sunset-Regeln, Re-Opt-in, Suppression

Definiere klare Regeln: Wer 90–180 Tage nicht interagiert, bekommt weniger oder gar nichts mehr. Für ältere Kontakte: Re-Opt-in oder ein “Preference”-Ansatz statt stumpf weiter ballern. Und: Hard Bounces, Spam Complaints und riskante Quellen konsequent unterdrücken.

Domain-Strategie: Subdomains, Separation von Transaktional/Marketing

Selten ist es sinnvoll, alle E-Mails über eine einzige Domain, Subdomain und IP zu versenden. Im Hinblick auf Email Deliverability lohnt es sich immer, eine zielführende Architektur zu entwickeln. Damit sich die Email Domain Reputation / IP Reputation in die richtige Richtung entwickeln können.

Versandstrategie: Frequenz, Ramp-up, Segmentierung nach Engagement

Stabiler Versand ist besser als sporadische Peaks. Erhöhe Volumen schrittweise, besonders bei neuen Segmenten oder nach längerer Pause. Segmentiere nach Aktivität: Engagierte Empfänger zuerst, “kalte” später oder über separate Programme.

Content & Tracking entschärfen (Link-Domains, UTM, Bild/Text, Plain-Text)

Reduziere unnötige Redirects und halte Link-Domains überschaubar. Nutze UTM, aber ohne Tracking-Zirkus. Ergänze eine saubere Plain-Text-Version, setze auf klaren Text und vermeide überladene Templates.

Beschwerden vermeiden: Preference Center und saubere Erwartungshaltung

Sag bei Anmeldung klar, was kommt und wie oft. Gib Empfängern Optionen: Themen, Frequenz, Pausieren statt Abmelden. Das senkt Frust und damit auch negative Signale.

Monitoring im B2B: Was du messen kannst (und was nicht)

Das Email Deliverability Monitoring ist im B2B schwierig. Dir bleibt nichts anderes übrig, als Daten von verschiedenen Quellen anzuzapfen.

Dashboard-Ideen: Minimal-Set aus 6 Kennzahlen

Halte es simpel: Zustellrate, Bounce-Rate (nach Codes), Complaint-Rate, Klickrate (bereinigt), Abmelderate, Conversion/Reply-Signal. Dazu ein Alarm bei starken Abweichungen gegenüber dem Median der letzten 4–8 Sendungen.

Ergänzende Artikel

Kostenlose Beratung

Mit Email Deliverability verhält es sich wie mit dem Zahnarztbesuch: Hinauszögern kann sehr schmerzhaft sein. Lass uns sprechen, um präventiv geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Frank Rix
Frank Rix (Autor)

Fazit

Wenn dein B2B-Newsletter im Spam landet, ist das selten Pech und fast immer ein Muster aus Authentifizierung, Reputation und Datenqualität. Geh strukturiert vor: erst die Basics (SPF, DKIM, DMARC, Alignment), dann Bounces und Domain-Cluster analysieren, danach Versand über engagierte Segmente stabilisieren. So bekommst du schnell wieder Kurs auf Inbox. Wenn du willst, helfe ich dir beim Quickcheck und beim Aufsetzen eines sauberen Monitorings, damit das Thema dauerhaft ruhig bleibt.