ActiveCampaign Zustellprobleme: Ursachen & schnelle Lösungen

Du schickst Kampagnen raus, die eigentlich knallen müssten – und trotzdem landen sie im Spam, kommen gar nicht an oder Gmail/Outlook bremst dich aus? Willkommen im Club der “Warum-hasst-mich-der-Posteingang”-Momente.
Hier ist die gute Nachricht: In den meisten Fällen ist das Problem kein ActiveCampaign-Bug, sondern eine Mischung aus Authentifizierung, Domain-/Tracking-Setup, Listenqualität und Engagement.

activecampaign logo

ActiveCampaign Zustellprobleme: Quick Check

  1. SPF/DKIM/DMARC korrekt aktiv? (ohne das wird’s zäh)
    Mailserver Domain gesetzt? (ActiveCampaign nutzt dafür CNAME/Domain-Setup)
  2. Spam-Beschwerden im Griff? (ab ~0,1 % wird’s schnell ungemütlich; bei Gmail gelten zusätzliche Richtlinien für Bulk-Sender)
  3. Inaktive Kontakte > 40 %? Dann ziehst du deine Reputation runter.
  4. Tracking/Link-Domain sauber? (sonst “wirkt” jede Mail verdächtiger als nötig)

ActiveCampaign ist aufgrund eines extrem guten Preis-Leistungs-Verhältnisses ein beliebter ESP. Sowohl bei Solopreneuren als auch bei kleinen und mittleren Unternehmen. Und wirbt auch ganz explizit mit einer besonders hohen Zustellbarkeit. (Wobei in der Werbung die Begriffe „Zustellrate“ und „Zustellbarkeitsrate“ immer wieder durcheinander gewürfelt werden.)

Du hast dennoch Zustellprobleme? In diesem Artikel werde ich die besten Praktiken und Tipps zur Verbesserung der E-Mail-Zustellbarkeit mit ActiveCampaign präsentieren.

Woran erkennst du Zustellprobleme überhaupt?

Wie in anderen Versandlösungen auch, lassen sich Zustellprobleme auch bei ActiveCampaign nicht leicht erkennen. Schließlich hat ein ESP kein Interesse daran, seine Kunden zu verschrecken. Und so gibt es mit Bordmitteln nicht einmal die Möglichkeit, dass Email Engagement (Open Rate / Click Rate) für einzelne Empfänger-Domains anzuzeigen. Nicht einmal die Custom Reports sind hier eine echte Hilfe. 

Begnügen wir uns also zunächst einmal mit den Standard-Kampagnen-Reports

Schritt 1: Gespür für das wahre Email Engagement bekommen

Zustellprobleme lassen sich schon ganz gut an geringem Email Engagement erkennen. Das Problem: Die in den Dashboards angezeigten Klicks und Opens sind aufgrund von Apple Mail Privacy Protection (MPP) und Bot Clicks verfälscht. Bei ActiveCampaign genauso wie bei fast allen anderen Email Service Providern. 

Um bereinigte Zahlen für die Opens zu erhalten, wählen wir deshalb zunächst diese Option:

ActiveCampaign Dashboard

Sofern du ohne BotSense arbeitest, sind deine Klickauswertungen eventuell unbrauchbar. Prüfe einfach mal nach, wie viele Klicks eher „unspannende“ Links wie jenen auf deine Datenschutzbestimmungen oder für das Facebook-Profil (ähnliche) generieren. Wenn die Summen auch noch ähnliche sind, wie in diesem Beispiel, kannst du vom reichlich Bot Clicks ausgehen: Faustformel: Ziehe die geschätzt ungültigen Klicks auf einen Link (hier ca. 900) von jedem deiner Links ab. In diesem Beispiel blieben für den erfolgreichsten Link dann gerade mal ~455 Unique Clicks übrig. 

ActiveCampaign Bot Clicks

Schritt 2: Email Engagement bewerten

Natürlich gibt es keine allgemeingültigen Benchmarks. Doch wenn dauerhaft 70% deiner Kontakte nicht auf deine E-Mail reagieren, hast du vielleicht noch keine Zustellprobleme, aber verursachst gerade welche. Aber plötzliche Einbrüche sind ein Alarmzeichen.

Schritt 3: Bounces bewerten

Die Kampagnenauswertung umfasst auch einen Unterpunkt „Deliverability“. Doch die präsentierte „Delivery Rate“ beschreibt lediglich den Anteil nicht gebouncter E-Mails – also die Differenz zur Bounce Rate. Diese sollte niemals mehr als 2% betragen. Aber es lohnt sich auch so mal, den Bounce Report zu öffnen und auf auffällige Fehlermeldungen zu achten. Dazu gehören auch Softbounces, die auf „451  – Message Temporarily Deferred“ hindeuten. In dem Fall werden deine E-Mails temporär ausgebremst. Das deutet auf ein Reputationsproblem hin.

ActiveCampaign Deliverability Report

Gut zu wissen: Hard Bounces greifen in ActiveCampaign sofort, d.h. entsprechende Kontakte werden sofort für den Versand gesperrt. Ebenso bei drei aufeinanderfolgendes Soft Bounces.

Schritt 4: Domainspezifische Probleme identifizieren

Leider lassen sich Clicks, Opens und Bounces nicht mal eben so nach Empfängerdomain gruppieren. Hier bleibt dir nur die Möglichkeit, die Datensätze als CSV-Datei zu exportieren und mit zum Beispiel Excel oder einem Statistik-Tool entsprechende Filterungen / Gruppierungen vorzunehmen.

Ich persönlich nutze für Schnellanalysen gern lokal installierte Python-Skripte. Das geht schnell und liefert fast alles, was man will.

ActiveCampaign-spezifisch – die 3 großen Stellschrauben

Authentifizierung: SPF, DKIM, DMARC (Pflicht, nicht Kür)

ActiveCampaign beschreibt selbst: Wenn du eine Sending Domain einrichtest, gehört dazu auch die Mailserver Domain, über die ActiveCampaign u.a. SPF sauber abbildet.

Checkliste:

  • SPF: enthält ActiveCampaign autorisiert (und nicht doppelt/kaputt verschachtelt)
  • DKIM: aktiv, signiert wirklich deine Mail
  • DMARC: mindestens p=none zum Messen, später härter (quarantine/reject) – je nach Risiko

Wenn du DMARC noch nicht nutzt, ist das ein bisschen wie “Haus ohne Schloss, aber mit Alarmanlage”.

Domain Alignment: nicht nur “bestehen”, sondern “wirken”

Viele Setups bestehen DMARC technisch, aber liefern trotzdem schwache Reputation-Signale, wenn Subdomains/Envelope/Tracking wild gemischt sind.

Ziel ist: Empfänger sollen klar erkennen, dass DU der legitime Absender bist – nicht irgendein Tool-Artefakt.

Link- & Image-Tracking: Custom Domain nutzen (wenn möglich)

Tracking-Domains sind ein Klassiker für “Spammy Vibes”. Achte darauf, dass deine Link-Domain:

  • nicht brandneu ist
  • nicht in anderen Kontexten “verbrannt” wurde
  • konsistent zu deiner Marke passt

Die häufigsten Ursachen (und was du konkret tust)

Ursache A: Schlechte Listenqualität (der heimliche Rufmörder)

Wenn du regelmäßig an viele Kontakte sendest, die nicht interagieren, interpretieren Mailbox Provider das als: “Die Leute wollen das nicht.”

Konkrete Maßnahmen:

  • Hard Bounces sofort entfernen
  • Inaktive Kontakte segmentieren (z.B. 90/180/240 Tage ohne Interaktion)
  • Reaktivierung nur gezielt (nicht “einfach nochmal an alle”)

Ein häufiges Missverständnis bei der Nutzung von ActiveCampaign: Die Metrik „Active Contacts“ zeigt nicht jene Kontakte an, die tatsächlich mit deinen E-Mails interagieren, also „engaged“ sind. Um an diese zu gelangen, benötigst du eine Automation wie diese:

ActiveCampaign Automation zur Lösung von Zustellproblemen

Jetzt hast du deine aktiven Kontakte ermittelt. Umgekehrt weißt du also, wie viele deine Kontakte inaktiv sind. Und wie sich deren Anteil von Monat zu Monat verändert. Tipp: Ein Anteil inaktiver Kontakte von mehr 40 % nach 6 Monaten ist kritisch. Vor allem, wenn der Anteil stetig ansteigt.

Die Lösung? Lösche Kontakte, die seit mehr als 8 Monaten nicht mehr aktiv waren. Und versuche Kontakte mit nur noch wenig Engagement zu reaktivieren. Dazu eignet sich ein Sunset Flow:

activecampaign sunset flow

Ursache B: Beschwerden & Abmeldungen zu schwer gemacht

Google verlangt für Bulk-Sender u.a. leichtes Abmelden (inkl. “one-click unsubscribe” in vielen Setups) und grundsätzlich saubere Compliance.
Google Hilfe

Fixes:

  • Abmeldelink sichtbar, nicht versteckt
  • Frequenz runter für “kalt gewordene” Segmente
  • Inhalte besser auf Erwartung beim Signup matchen

Ursache C: Versandmuster wirkt “unnatürlich”

Große Spikes (lange nix, dann viel) sind nicht automatisch Spam – aber oft ein Risiko.

Fixes:

  • Volumen stabilisieren
  • Neue Segmente langsam anwärmen
  • Bei sehr großen Änderungen: stufenweise hochfahren

Ursache D: Shared-IP-Nachbarschaft (kann passieren)

Standardmäßig teilen sich ActiveCampaign-Kunden*innen eine Shared IP. Das ist zunächst mal unproblematisch und auch gängige Praxis. Häufig sogar die beste Option. Jedoch ist ActiveCampaign ein relativ kostengünstiger „Massen-„ESP und kann in der Folge nicht immer schnell genug jene Kunden sanktionieren, die Spam versenden. Die Gefahr ist somit groß, dass man seine Shared IP mit den „falschen“ Kunden teilen muss. Jene, die sich wenig um ihre Email Domain Reputation scheren und als Trittbrettfahrer von der guten Reputation anderer Versender profitieren wollen. 

Hinzukommt, dass sich ActiveCampaign auch als CRM und Tool für Sales Automation sieht. Email Outreach führt jedoch naturgemäß zu vielen Spambeschwerden und somit zu einer negativen IP Reputation.

Wenn du den Verdacht hast, führe regelmäßig Seed List Tests durch (z.B. mit Glock Apps). Inbox Rates von dauerhaft unter 70% sind ein Alarmzeichen. 

Ursache E: Unzureichendes Domain Alignment

Eine weitere Herausforderung ist das Domain Alignment. Denn die Envelope Sender Domain ist standardmäßig eine von ActiveCampaign.

Beispiel:
s3.csa1.acemsc4.com

Auch für das Hosting hochgeladener E-Mail-Grafiken sowie für das Link Tracking wird standardmäßig eine ActiveCampaign-Domain verwendet.

Beispiel:
https://Example15936.emlnk9.com/lt.php?x=3D4lZy~GD

Eine wirklich gute Email Domain Reputation lässt sich so kaum aufbauen. Auch wenn DMARC keine Fehler rausschmeißt. 

Deshalb mein Tipp: Nutze nach Möglichkeit eine Custom Domain (verfügbar für Marketing Enterprise Accounts).

Dedizierte IP – Lösung oder neues Problem?

ActiveCampaign bietet seinen  Kunden auch dedizierte IPs an und suggeriert eine bessere E-Mail-Zustellbarkeit. Das ist jedoch oft ein Trugschluss.

Tatsächlich ist eine dedizierte IP kein Allheilmittel. Ohne sauberes Setup kann sie sogar schlechter sein, weil dich niemand “mitzieht”.

Typische Voraussetzungen, damit sie Sinn ergibt:

  • konstantes hohes Volumen (mind. 100.000 E-Mails je Monat)
  • klare Segmentierung & Hygiene
  • echtes Warmup (kein Tool-Fake-Warmup)

Wenn du diese Punkte nicht erfüllst, ist eine gut gemanagte Shared IP vermutlich die bessere Option.

Quick Wins: 11-Punkte-Plan für bessere Zustellbarkeit mit ActiveCampaign

  1. SPF/DKIM/DMARC sauber aufsetzen
  2. Mailserver Domain korrekt konfigurieren
  3. Tracking-Domain prüfen/vereinheitlichen
  4. DOI konsequent nutzen (wo sinnvoll)
  5. Inaktive Kontakte segmentieren
  6. Sunset Flow einführen
  7. Beschwerden minimieren (Erwartungsmanagement + Relevanz)
  8. Frequenz nach Engagement staffeln
  9. Volumen nicht sprunghaft ändern
  10. Provider-spezifisch prüfen (Gmail vs Outlook)
  11. Bei Reputation-Schäden: strukturiert “repair” planen (nicht hektisch “mehr senden”)

Kostenlose Beratung

Mit Email Deliverability verhält es sich wie mit dem Zahnarztbesuch: Hinauszögern kann sehr schmerzhaft sein. Lass uns sprechen, um präventiv geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Frank Rix
Frank Rix (Autor)

Fazit

Zustellprobleme mit ActiveCampaign sind kein Zufall, sondern fast immer die Folge von Setup-Lücken, schwacher Datenhygiene oder fehlendem Engagement. Wenn Authentifizierung, Mailserver Domain und Listenqualität sauber zusammenspielen, beruhigt sich die Zustellung meist schnell. Entscheidend ist, strukturiert vorzugehen statt hektisch an Einzelhebeln zu ziehen.

FAQ: ActiveCampaign Zustellprobleme

Warum landen ActiveCampaign E-Mails im Spam?

Häufige Ursachen sind fehlende Authentifizierung, schlechte Listenqualität, schwaches Engagement oder eine nicht sauber eingerichtete Tracking- und Versanddomain.

Ist ActiveCampaign schlecht für die Zustellbarkeit?

Nein. In vielen Fällen liegt das Problem nicht am Tool selbst, sondern am Setup, an den Daten und am Versandverhalten.

Hilft eine dedizierte IP bei ActiveCampaign?

Nur unter bestimmten Voraussetzungen. Bei geringem Volumen oder schwacher Listenqualität kann sie sogar mehr schaden als nützen.