HTML, Plain Text oder Multipart: Welches E-Mail-Format ist am besten?

HTML-Mail, Textversion, Multipart: Klingt technisch, entscheidet aber oft über Darstellung, Tracking und manchmal sogar Zustellbarkeit. In diesem Artikel bekommst du erst die Kurzantwort für Marketer und dann den Deep Dive zu MIME, Content-Type & typischen Fehlern. Plus Quickcheck, damit du sofort siehst, ob deine Mails sauber gebaut sind.

TL;DR für Marketer

  • 1️⃣ Wenn du Newsletter versendest: nutze multipart/alternative (HTML + Textversion).
  • 2️⃣ Achte darauf, dass Text- und HTML-Inhalt inhaltlich konsistent sind.
  • 3️⃣ Kein Hexenwerk: In den meisten ESPs ist das automatisch drin, aber oft falsch befüllt.

E-Mail-Formate im Überblick (Kurzvergleich)

Im E-Mail-Marketing begegnen dir praktisch immer drei Varianten: Plain Text, HTML und Multipart. Hier ist der schnelle Überblick, damit du in 60 Sekunden weißt, worüber wir reden – und was du in der Praxis nutzen solltest.

FormatTechnisch (MIME / Content-Type)Was sieht der Empfänger?Typische NutzungImpact auf ZustellbarkeitMein Praxis-Fazit
Plain Texttext/plainNur Text, keine GestaltungTransaktionsmails, Systemmails, “persönliche” 1:1-KommunikationMeist unkritisch – kann aber “zu nackt” wirken, wenn du eigentlich Marketing-Inhalte sendestGut für reine Text-Mails. Für Newsletter allein selten ideal.
HTMLtext/htmlLayout, Bilder, Buttons, BrandingNewsletter, Promo-Mails, KampagnenKein automatischer Nachteil – aber bei schlechter HTML-Qualität, Bildlastigkeit oder kaputter Struktur steigt das RisikoStandard im Marketing. Aber bitte nicht ohne vernünftige Textversion.
Multipart (Alternative)multipart/alternative
(enthält text/plain + text/html)
Meist HTML – der Client wählt “die beste” VarianteBest Practice für Marketing-MailsOft stabiler, weil Spamfilter und Clients eine saubere, vollständige Nachricht sehenEmpfehlung: Für Newsletter & Kampagnen fast immer die beste Wahl.

Wichtig: Multipart ist nicht gleich “viel Inhalt”

Multipart bedeutet nicht “mehr Anhänge”, sondern meist: eine Mail mit HTML-Version + Textversion. Genau das ist im Marketing der Standard, weil:

  • Clients (und auch Spamfilter) eine “vollständige” Nachricht sehen
  • Empfänger mit eingeschränkten Clients trotzdem Inhalt bekommen
  • du typische Darstellungs- und Analyse-Probleme reduzierst

Quickcheck: Nutzt du wirklich Multipart?

Wenn du in einer Testmail im Quelltext einen Header wie diesen findest, ist das ein gutes Zeichen:

Content-Type: multipart/alternative; boundary="..."

Siehst du stattdessen nur Content-Type: text/html, wird vermutlich keine echte Textversion mitgesendet.

Meine Empfehlung (kurz & schmerzlos)

  • Newsletter/Kampagnen: multipart/alternative (HTML + Textversion)
  • Transaktionsmails: oft reicht text/plain oder ebenfalls Multipart (je nach Branding)
  • Nie vergessen: Textversion nicht “automatisch irgendwie” – sondern sinnvoll, lesbar und inhaltlich passend zum HTML

Der wichtigste Standard: MIME

Wer sich ernsthaft mit E-Mail-Zustellbarkeit beschäftigt, sollte zunächst einmal verstehen, wie eine E-Mail aufgebaut ist.

Der gängige Standard für moderne E-Mails entwickelte sich Mitte der 1990er und nennt sich MIME (Multipurpose Internet Mail Extensions). Erst dieser machte aus der E-Mail ein universelles Werkzeug, weil sie seither auch Sonderzeichen und binäre Daten (z.B. Dateianhänge) transportieren kann.

Dank MIME sind auch unterschiedliche Medientypen erlaubt. (“media types”). Und von denen gibt es Unzählige.

Das Problem: Nicht jeder Client kann mit jedem Medientypen umgehen. Weil sie für die normale E-Mail-Kommunikation eh keine Rolle spielen oder gar ein Sicherheitsrisiko darstellen. Einige Medientypen konnten sich auch gar nicht durchsetzen, wie das aus Microsoft Word bzw. Outlook entstammende Richtext-Format.

Binäre Formate für Grafiken, Audioinhalte, Videos und Apps lasse ich an dieser Stelle mal außen vor. Sofern du tiefer in das Thema einsteigen willst, kannst du dich hier einlesen:

Der Aufbau einer modernen E-Mail

Das Tolle an MIME ist: Der Body einer E-Mail kann Inhalte (“Body Parts”) verschiedener Medientypen umfassen. In einer hierarchischen Struktur.

Hier das Beispiel einer E-Mails, deren Inhalt aus einem Body Part vom Typ multipart/mixed besteht.

Dieser wiederum umfasst zwei Body Parts: Einen vom Typ text/plain und einen vom Typ text/html. Gemeinhin spricht man hier von einer Multipart-E-Mail.

				
					MIME-Version: 1.0
 Content-Type: multipart/mixed; boundary=frontier

 This is a multi-part message in MIME format.

 --frontier
 Content-Type: text/plain

 This is the body of the message.
 --frontier
 Content-Type: text/html
 Content-Transfer-Encoding: base64

 PGh0bWw+CiAgPGhlYWQ+CiAgPC9oZWFkPgogIDxib2R5PgogICAgPHA+VGhpcyBpcyB0aGUg
 Ym9keSBvZiB0aGUgbWVzc2FnZS48L3A+CiAgPC9ib2R5Pgo8L2h0bWw+Cg==
 --frontier– 
				
			

Mein Tipp: Betrachte mal den Quellcode ausgewählter E-Mails in deinem Postfach. Welche basieren auf dem MIME-Standard? Wie viele Body Parts entdeckst du?

Tatsächlich wirst du schnell Unterschiede feststellen:

  • Einige E-Mails nutzen MIME und umfassen zwei Body Parts (wie im Beispiel)
  • Einige E-Mails nutzen MIME und umfassen nur einen einzigen Body Part:
Email Body Part
  • Einige E-Mails nutzen kein MIME

Die wichtigsten E-Mail-Formate im Vergleich

Für das E-Mail-Marketing spielen allein diese drei Formate eine Rolle:

  1. Plain-Text-E-Mail (Ein MIME Bodypart des Medientyps text/plain)
  2. HTML-E-Mail (Ein MIME Bodypart des Medientyps text/html)
  3. Multipart-E-Mail (Ein MIME Bodypart des Medientyps text/plain UND ein MIME Bodypart des Medientyps text/html)

1. Plain-Text-E-Mails

Plain-Text-E-Mails bestehen ausschließlich aus unformatierten Text ohne grafische Elemente, Farben oder spezielle Schriftarten. Sie sind einfach, klein in der Dateigröße und universell kompatibel, da sie von allen E-Mail-Clients problemlos gelesen werden können.

Vorteile:

  • Hohe Kompatibilität mit allen Endgeräten und E-Mail-Clients
  • Geringere Dateigröße, was weniger Speicherplatz und Bandbreite benötigt
  • Weniger anfällig für Sicherheitsrisiken wie Phishing oder Malware
    Größere Barrierefreiheit für Screenreader und ältere Systeme

Nachteile:

  • Keine Formatierungsmöglichkeiten (keine Farben, Bilder, Links mit Ankertext)
  • Begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten, wodurch die visuelle Attraktivität leidet
  • Verlinkungen sind nicht möglich (Zeichenketten, die wie URLs aussehen, verlinkt der Client des Empfängers allenfalls von sich aus)

2. HTML-E-Mails

HTML (Hypertext Markup Language) ermöglicht die Gestaltung von E-Mails mit Farben, Bildern, Links und Schriftarten. Diese Formate ähneln Webseiten und können ansprechende Layouts sowie interaktive Inhalte enthalten.

Vorteile:

  • Attraktives Design durch Formatierungen, Bilder und Farben
  • Interaktive Elemente wie Buttons und Links mit Ankertext
  • Möglichkeit zur Integration von Tracking-Tools zur Analyse des Nutzerverhaltens
    Bessere Darstellung von Branding-Elementen (Logos, CI/CD)

Nachteile:

  • Höhere Dateigröße und längere Ladezeiten
  • Kompatibilitätsprobleme mit einigen älteren E-Mail-Clients oder Textbasierten Systemen
  • Erhöhte Sicherheitsrisiken durch potenziell gefährlichen Code (z. B. Phishing-Angriffe)
  • Abhängigkeit von der korrekten Anzeige in verschiedenen E-Mail-Programmen (Rendering-Probleme)

3. Multipart-E-Mails

Eine Multipart-E-Mail umfasst sowohl einen Plain-Text- als auch einen HTML-Teil. Für den Empfänger sichtbar ist in der Regel allein der HTML-Teil. Der MIME Bodypart des Medientyps text/plain bleibt hingegen verborgen

Vorteile:

  • Siehe HTML
  • Der Text-Anteil der E-Mail lässt sich durch den Plain-Text-Teil vergrößern. Das kann die Zustellbarkeit verbessern
  • Spamfilter mögen Multipart-E-Mails in der Regel, weil Spammer sich selten die Mühe machen, dieses Format aufzusetzen

Nachteile:

  • Höhere Dateigröße und längere Ladezeiten
  • Erhöhte Sicherheitsrisiken durch potenziell gefährlichen Code (z. B. Phishing-Angriffe)
  • Abhängigkeit von der korrekten Anzeige in verschiedenen E-Mail-Programmen (Rendering-Probleme)
  • Ggf. etwas höherer Aufwand bei der Erstellung

Welches Format ist nun das Beste?

Für den Einsatz im Marketing empfehle ich allein das Multipart-Format. Richtig eingesetzt kann es dabei helfen, deine E-Mail-Zustellbarkeit zu verbessern. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten:

  1. Sorge für den korrekten Aufbau der MIME-Hierarchie. Mir kommen fortlaufend E-Mails in die Finger, in denen ganze Bodyparts fehlen oder leer sind.
  2. Achte darauf, dass der Textinhalt im HTML- und Plain-Text-Teil möglichst identisch ist. Das setzt voraus, dass der HTML-Teil nicht ausschließlich aus Bildern bestehen sollte. Und dass der Plain-Text-Teil keine HTML Tags beinhaltet.
  3. Trage dafür Sorge, dass das Bild-Text-Verhältnis ausgewogen ist. Einige Experten*innen nennen eine Messlatte von 30:70, wobei sich das Volumen einer Grafik schlecht mit dem von Text vergleichen lässt.
  4. Verzichte nach Möglichkeit auf weitere MIME Bodyparts. Also zum Beispiel auf Dateianhänge, eingebettete Grafiken . Spamfilter mögen keine Inhalte, die sie nicht schnell analysieren können.
  5. Base64-Verschlüsselung von Text und HTML ist für moderne Spamfilter zwar kein Problem mehr. Aber es ist in der Regel überflüssig und bläht den Code unnötig auf.

Umsetzung in der Versandsoftware

Fast jede professionelle Versandlösung, sei es die eines ESPs oder sei es ein CRM, unterstützt Multipart. Ebenso gängige Email APIs wie jene von Sendgrid und Mailjet.

Einige Lösungen generieren Multipart-E-Mails, ohne dass man als Versender davon etwas mitbekommt. Zum Beispiel Brevo. Das Tool extrahiert dazu vor dem Versand den Text aus dem HTML-Teil. Manuelles Eingreifen ist zwar nicht möglich, aber dafür kann man auch nicht mehr viel falsch machen.

Wahr ist aber auch: Einige ältere Versandlösungen unterstützen immer noch kein MIME – und somit auch kein Multipart-Format.

Frank Rix
Frank Rix (Autor)

Fazit

Multipart ist im Marketing die beste Wahl: HTML plus saubere Textversion reduziert Rendering-Probleme und wirkt für Spamfilter vertrauenswürdiger als “nur HTML”. Achte auf konsistente Inhalte in beiden Teilen, einen korrekten MIME-Aufbau und vermeide unnötige Anhänge. Teste regelmäßig mit echten Postfächern, dann bleibt die Zustellbarkeit stabiler.

Kostenlose Beratung

Mit Email Deliverability verhält es sich wie mit dem Zahnarztbesuch: Hinauszögern kann sehr schmerzhaft sein. Lass uns sprechen, um präventiv geeignete Maßnahmen zu ergreifen.